Die Westerwelle Einen sehr schönen Auszug zum Thema „Verzerrte Wahrnehmung“ haben wir in einem wirklich geistreichen und interessanten Buch gefunden: „Die Westerwelle“ von Michael Kaiser.

Das Buch ist ein böser, aber unterhaltsam geschriebener Streifzug durch die gesamte Wirtschaftspolitik. Es ist bewusst so geschrieben, dass alle Fremdworte rausgeflogen sind und dass das Ganze sich verständlich und leicht und mit hohem Spaßfaktor liest.


Damit ist es gerade für Nichtfachleute auch als Bettlektüre geeignet, ohne sich erst durch Fachchinesisch und Zahlenfriedhöfe durchquälen zu müssen. Aus NLP-Sicht sehr empfehlenswert, da uns wieder einmal ein Blick über den Tellerrand gewährt wird.!

Und nun hier der Auszug, der uns besonders gut gefällt:

„Heutzutage ist immer schlecht.

Das ist ein faszinierendes Phänomen. Die Gesellschaft ist egoistisch, die Jugend verroht, die Arbeiterschaft faul, die Angestellten unfreundlich, die Banken geldgierig, die Politik unehrlich, die Produktqualität schlecht. Früher nicht. Nur heutzutage.
Insbesondere die heutige Jugend gibt Anlass zu größter Sorge. Hier nur einmal acht Zitate prominenter führender Köpfe und aus Veröffentlichungen von berufsmäßig mit diesem Thema tagtäglich befassten Menschen, die den Missstand auf das Plakativste und das Problem in seiner ganzen Tragweite verdeutlichen:
„Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, dass bei der Schuljugend die früher kundgegebene Anständigkeit und das sittliche Benehmen mehr und mehr verschwindet.“

„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern.“ 

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

„Das Sittenverderben unserer heutigen Jugend ist so groß, dass ich unmöglich länger bei derselben aushalten kann.“

„Was nun die jungen Leute angeht, so sind sie heftig in ihrem Begehren und geneigt, das ins Werk zu setzen, wonach ihr Begehren steht. Von den leiblichen Begierden sind es vorzugsweise die des Liebesgenusses, denen sie nachgehen, und in diesem Punkt sind sie alle ohne Selbstbeherrschung. Auch sind sie nicht imstande, ihren Zorn zu bemeistern, denn aus Ehrgeiz ertragen sie es nicht, sich geringschätzig behandelt zu sehen, sondern sie empören sich, sobald sie sich beleidigt glauben. Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt.“

„Wirksamkeit der Volksschule bei dem zunehmenden Sittenverfall…, die immer lauter werdenden Klagen über die zunehmende Rohheit und Verwilderung unserer Jugend, besonders der erwachsenen Dorfjugend…“

 „Die Schüler achten Lehrer und Erzieher gering. Überhaupt, die Jüngeren stellen sich den Älteren gleich und treten gegen sie auf, in Wort und Tat.“

„Die Welt macht schlimme Zeiten durch. Die jungen Leute von heute denken an nichts anderes als an sich selbst. Sie haben keine Ehrfurcht vor ihren Eltern oder dem Alter. Sie sind ungeduldig und unbeherrscht. Sie reden so, als wüssten sie alles, und was wir für weise halten, empfinden sie als Torheit. Und was die Mädchen betrifft, sie sind unbescheiden und unweiblich in ihrer Ausdrucksweise, ihrem Benehmen und ihrer Kleidung.“

Du wirst jetzt traurig und Zustimmung nicken, wenn Du zu zum „Unter Heutzutage Leiden Club“ (UHLC) gehören solltest. Leider warst Du ein wenig voreilig. In der Reihenfolge der Zitate stammen die gerade vorgestellten Äußerungen nämlich aus einem Regierungsbericht des Jahres 1852,  einem Keilschrifttext aus Ur, verfasst um 2000 vor Christus, von dem griechischen Philosophen Sokrates, der 470-399 vor Christus lebte, von einem leider unbekannten Schulmeister des 18. Jahrhunderts, von Aristoteles, ebenfalls griechischer Philosoph, 384-322 vor Christus, aus der allgemeinen Schul-Zeitung, Darmstadt, Autor leider auch nicht bekannt, erschienen 1826, von dem griechischen Denker Platon, 427 – 347 vor Christus, und von einem Mönch namens Peter, der dies 1274 aufschrieb.

Das Ganze nennt sich verzerrte Wahrnehmung.

Die meisten Menschen erleben nämlich die Zeit ihrer Kindheit und ihrer Jugend als die intensivste und aufregendste Zeit ihres Lebens, je unzufriedener sie mit der Gegenwart sind, desto größer die Neigung, die Vergangenheit zu verklären, die aktuellen Rahmenbedingungen zu beschimpfen und die eigene gegenwärtige Lebens- Situation als die Schlimmste von Allen zu empfinden. Mit den objektiven Gegebenheiten hat das wenig zu tun, wenn wir den UHLC ernst nehmen, welche Zeit war denn dann besser als die heutige? 1940? 1950? 1960? 1970? 1830? 1710?“

Das Buch setzt sich kritisch mit Staatsverschuldung, Hartz IV, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Geldwirtschaft, Bankenkrise und den sozialen Sicherungssystemen auseinander – und macht die Dinge anschaulich, prägnant und sehr provokativ fest. Zumal diese Themen aktueller denn je sind (Gesundheitswesen, Griechenland, Staatsverschuldung).

Wenn Sie also wissen möchten,

- wie man Bilanzen fälscht und Statistiken solange bearbeitet, bis das Ergebnis passt
- warum Sie für fünf Arbeitsplätze Geld aufbringen müssen, um am Ende vier zu bekommen
- wo der Unterschied zwischen Derivaten und Pferderennen liegt
- wie Sie dadurch steinreich werden, indem Sie ständig Verluste machen
- warum die Staatsverschuldung immer nur wachsen und niemals schrumpfen kann
- warum Deutschland in Wirklichkeit gar kein Exportland ist
- warum Garnelen mit 7 % und Langusten mit 19 % Mehrwertsteuer bedacht werden

dann ist das Buch genau das Richtige für Sie, weshalb sich der Autor riesig über ein Feedback welcher Art auch immer freuen würde, z.B. auf Amazon oder Youtube.