Bei Problemen im Alltag oder im Job kommen wir manchmal an einen Punkt, an dem nichts mehr geht. Wir geraten in einen Zustand, der im NLP als „Stuck-State“ bezeichnet wird. Dies ist ein Zustand, in dem wir keinen Zugang mehr zu unseren Ressourcen haben. Wenn der Problem-Zustand nicht so stark ist, kann es trotzdem passieren, dass wir in eine Sackgasse geraten. „Leere im Kopf“ oder eine „Nebelwand“ erzeugen Verwirrung und sind ein deutliches Zeichen dafür, dass wir in eine Sackgasse geraten sind, weil wir beispielsweise gerade intensiv an einem Problem arbeiten.

Um wieder Zugang zu unseren Ressourcen zu erhalten, bieten sich neue Sicht- und Denkweisen an. Im NLP lernt man – etwa in der NLP-Practitioner oder NLP-Master Ausbildung – eine Vielzahl von Techniken und Formaten, z.B. Ankern, Reframing oder Glaubenssatzarbeit etc., um an die benötigen Ressourcen zu kommen – getreu dem NLP Axiom: Menschen verfügen über alle Ressourcen, die sie brauchen, um eine von ihnen angestrebte Veränderung zu erreichen.

Lieber einmal zu viel, als zu wenig…

Eine weitere Möglichkeit haben wir hier im Blog schon einmal angesprochen: Fragen stellen. Durch Fragen gelingt es uns in der Regel sehr schnell und intuitiv die unterschiedlichen Facetten eines Problems zu erkennen und Lösungen zu finden. Kollegiale Beratung und Supervision sind integraler Bestandteil der NLP-Ausbildung, aber auch ein Coaching eignet sich hervorragend für neue Sicht- und Denkweisen und sich dadurch neue Ressourcen zu erschließen, um aus dem Stuck-State oder der Sackgasse wieder herauszufinden.

LabyrinthWer die wahren Ursachen eines Problems erkennen will, muss meist sehr genau hinschauen und er muss hinterfragen können. Sichtbare Probleme sind meist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem umfassenden System, in dem sich jeder Einzelne befindet. Durch systemische Fragen lässt sich herausfinden, was hinter einem vordergründigen Problem steht. Darüber hinaus lernt der Fragensteller gleich noch etwas über das Denken, Wollen und Fühlen des Gesprächspartners oder der betroffenen Bezugsgruppen (z.B. als Moderator eines Meetings). Diesen nützlichen Effekt, sollten sich nicht nur Führungskräfte zu Nutze machen, sondern jeder, der mit Menschen zu tun hat – egal ob beruflich, privat oder in der Familie.

Systemische Fragen

Als systemische Fragen werden unterschiedliche Fragetypen verstanden, die aus der systemischen Beratung und der systemischen Therapie kommen (mehr dazu hier). Durch die besondere Formulierung der Fragen, eröffnen sich für den Befragten – im NLP wie in der systemischen Beratung „A“ genannt – neue Sichtweisen und stellen sich neue Erkenntnisse ein. Besonders hilfreich sind diese Fragen vor allem dann, wenn das Problemfeld ein System ist. Der Charakter eines Systems ist, dass es aus einer Vielzahl von Elementen besteht und es meist nicht eine Ursache für ein Problem gibt. Daher haben systemische Fragen nicht nur Einzug in Coachings gehalten sondern auch in das NLP, nicht zuletzt weil viele NLP Ausbilder auch gleichzeitig erfolgreiche Coaches sind.

Ebenfalls ein Berührungspunkt des NLP mit systemischen Fragen ist die Vorstellung, dass sich der Befragte in andere Personen hineinversetzen soll und darüber hinaus Gefühle, Meinungen oder Einschätzungen im (Beratungs-)Gespräch thematisiert werden. Der Gesprächspartner soll von seiner Fixierung auf eigene Sichtweisen und fest verankerter Verhaltensweisen gelöst werden. Das kann durch unterschiedliche Fragetypen erreicht werden, beispielsweise durch zirkuläre Fragen, Wunderfragen, hinterfragen von Metamodellen (Fragen nach Ausnahmen, Alternativen, Motivation etc.), Vergleichen, Metaphern, Glaubenssätzen oder den logischen Ebenen. NLP bietet hier ein großes Repertoire an Techniken, die in der Beratungsarbeit leicht in unterschiedliche NLP Formate integriert werden können.

Erkenntnisgewinn

Durch das Er- und Hinterfragen von Metaprogrammen, Glaubenssätzen, den logischen Ebenen etc. soll sich der Befragte auf neue Ansichten, Einstellungen und Werte einlassen können und erkennen, dass es in der Regel Wechselwirkungen und komplexe Zusammenhänge in seinem Problemfeld geben kann. Für den Befragten eröffnen sich dadurch neue und oftmals überraschende, für die Lösung seines Problems förderliche Einsichten und Erkenntnisse.

Die systemischen Frageformen des NLP sind sehr hilfreich, um bessere Lösungen für problematische Situationen und Verhaltensweisen zu finden. Der Befragte erkennt dadurch viel besser seine verborgenen Antriebskräfte und Motivationsfaktoren. Das gleiche gilt natürlich auch für Gruppen, was im Business-Bereich und bei Gruppen-Supervision/-Coaching von hoher Bedeutung ist. Durch die Art und Weise der systemischen Fragestellung werden nicht einfach nur Informationen abgefragt, sondern der/die Befragte/n im Bedenken und Überlegen der Antworten erst erschaffen.

Um einen maximalen Erkenntnisgewinn zu ermöglichen, ist ein guter Rapport zwischen Frager und Befragten besonders wichtig. Wie man Rapport aufbaut und auch über längere Zeit hält, lernen NLP’ler in ihrer NLP-Practitioner Ausbildung. Eine gute Möglichkeit ist, dem Befragten die Funktion der Fragen zu erläutern, insofern sie keinen NLP- oder systemischen Hintergrund haben. Dadurch erfährt der Befragte eine Wertschätzung, die es ihm erleichtert, sich zu öffnen und wesentlich zur Lösungsfindung beizutragen.

 

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