Das Bestezum Schluss Viele von uns kennen das Phänomen: Wenn man etwas macht oder irgendwo hingeht in dem Bewusstsein, dass es das letzte Mal sein wird, sieht, hört, schmeckt, riecht oder fühlt man anders als vorher.

Angenommen, man geht in ein Restaurant in dem Bewusstsein, dass es das letzte Mal sein wird. Wenn das Essen dann besonders gut schmeckt oder der Abend als besonders gelungen angesehen wird, liegt es dann wirklich daran, dass das Essen oder die Atmosphäre besser geworden ist? Schmeckt die Lieblingspraline, die man sich bis zum Schluss aufgehoben hat, wirklich nur deshalb am besten, weil es die Lieblingspraline ist? Oder doch eher weil man weiß, dass es die letzte ist?

Wer das Ende seiner Ausbildung (Schule, Lehre, Studium, Weiterbildung) entgegensieht, bewertet häufig alles in einem milderen Licht. Das lässt sich beispielsweise bei unzähligen Klassentreffen beobachten. Nicht zuletzt Filme wie die „Feuerzangenbowle“ spielen mit diesem Phänomen.

Wissenschaftliche Studien

Wissenschaftliche Studien haben mehrfach nachgewiesen, dass Menschen bedeutende Lebenserfahrungen positiver bewerten, wenn ihnen bewusst wird, dass diese Lebenserfahrungen bald zu Ende gehen werden. In einer aktuellen Studie wurde untersucht, ob und wie sich dieses Phänomen auch auf alltägliche Erfahrungen auswirkt und diese ebenfalls positiver bewertet werden, wenn uns bewusst wird, dass wir etwas zum letzten Mal machen und ob und wie sich diese positive Wahrnehmung auf die Gesamtbewertung eines Erlebnisses auswirkt.

Für diese Untersuchung sollten Studierende an einer angeblichen Testverkostung von neuen Pralinen teilnehmen. Die erste Versuchsgruppe wurde nicht auf das Ende der Verkostung hingewiesen, sondern die Verkostung endete abrupt. Der zweiten Versuchsgruppe wurde das Ende der Verkostung angekündigt. Die Teilnehmenden, denen bewusst war, dass es die letzte Praline war, bewerteten diese bedeutend besser und empfanden sie als wesentlich leckerer als die anderen Pralinen. Die Teilnehmenden, denen das Ende der Verkostung nicht angekündigt wurde, bewerteten die letzte Praline deutlich anders als die Teilnehmenden der zweiten Versuchsgruppe.

Was können wir daraus schließen?

Die letzten Erfahrungen, die wir machen, haben einen großen Einfluss auf unsere Bewertung des gesamten Erlebnisses. Das heißt, bei vielen Menschen kann das Bewusstsein, dass etwas zu Ende geht, allein dazu führen, die gemachten Erfahrungen grundsätzlich positiver zu erleben und zu bewerten. Dieser Effekt kann in vielen Lebensbereichen zum Tragen kommen – das letzte Buch das man gelesen hat, die letzte Serie oder Film den man gesehen hat, das letzte Abendessen in einem Restaurant oder der letzte Vortragende auf einem Kongress könnte so in einem weitaus positiveren Licht erscheinen als es gerechtfertigt zu sein scheint.

Das muss zwar nicht immer so sein - man denke nur an ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende - doch die Erwartung, dass etwas zu Ende geht, kann man sich auch geschickt zu Nutze machen, denn hier spielt noch ein weiteres Phänomen mit: die Selbsterfüllende Prophezeiung. Das heißt, es kann vielleicht ratsam sein, zum Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch, in einem Meeting oder bei einem Vortrag als letztes aufzutreten. Das Erste und das Letzte, was gesagt wird, bleibt bei den meisten Zuhörern am besten hängen und wird – wie wir gesehen haben – auch am besten bewertet. Darum kann man sich dieses Phänomen auch bedenkenlos zu Nutze machen, denn: Das Beste kommt zum Schluss!