„Die Bedeutung Deiner Kommunikation liegt in der Reaktion, die Du erhältst.“
Das ist eine der von Richard Bandler postulierten Grundannahmen bzw. Axiome des NLP. Die Axiome lernt jeder NLP‘ler in der Regel im Basiskurs als ersten Teil seiner Ausbildung zum NLP Practitioner. Axiome sind Annahmen, die nicht widerlegt oder bewiesen werden können. Die meisten Grundannahmen im NLP können den strengen wissenschaftlichen Ansprüchen an Axiome nicht gerecht werden, weil die meisten NLP Grundannahmen nicht unabhängig voneinander sind. Und trotzdem bilden die Axiome im NLP Überzeugungen und Handlungsmaximen, die der Arbeit mit NLP zugrunde liegen und diese so erfolgreich macht.
Wie wichtig diese Überzeugungen und Handlungsmaximen des NLP für mich sind, erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Familie, Freunden, Kollegen und Klienten. Oft nehme ich große Verwunderung bei meinem Gesprächspartner wahr, warum ich oder andere Kommunikationspartner gerade so auf das Gesagte reagieren, wie wir es tun, obwohl das doch gar nicht so gemeint war. Meist höre ich Sätze wie:
„Warum fühlst du dich immer gleich angegriffen?“
„Er geht immer gleich in die Luft, dabei meine ich das doch gar nicht so.“
„Sie versteht einfach nicht, worauf ich hinaus will.“
Groß ist die Verwunderung und teilweise heftig die Abwehr, wenn ich die Möglichkeit andeute, ob nicht die Art und Weise wie der- oder diejenige kommuniziert zu diesem Ergebnis bei seinem Gegenüber führen könnte. Dann höre ich Sätze wie:
„Was kann ich denn dafür, wenn der so regiert?“
„Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, dass sie mich falsch versteht!“
„Das ist doch nicht meine Schuld, wenn du dich gleich angegriffen fühlst!“
In der Tat geht es nicht um „richtig oder „falsch“ oder um „Schuld“ oder „Nicht-Schuld“. Begreift man Kommunikation im Sinne des oben genannten Axioms, dass die Intention des Kommunikators nicht die Bedeutung der Kommunikation darstellt, dann geht es hier um Verantwortung – um Verantwortung für die eigene Kommunikation. Es geht nicht nur um die Verantwortung für den Inhalt, sondern um Verantwortung für das, was bei meinem Gegenüber nicht nur auf der Inhalts- sondern vor allem auch auf der Beziehungsebene ankommt. Es ist leicht, den Anderen für seine Kommunikation verantwortlich zu machen, denn ich weiß ja, wie ich es gemeint habe. Wenn der Andere mich nicht versteht oder verstehen will, dann ist es sein Problem, nicht meins.
Das mag vielleicht stimmen und in der einen oder anderen Situation vielleicht sogar richtig sein – ein anderes Axiom im NLP besagt, dass es eine positive Absicht hinter jedem Verhalten und es einen Kontext gibt, in dem das gezeigte Verhalten nützlich ist.
Über das, was wahr ist
Paul Watzlawick vertritt die These: Wahr ist nicht, was A meint, sondern was B versteht. Begreift man Kommunikation in diesem konstruktivistischen Zusammenhang, trägt jeder eine große Verantwortung für seine Kommunikation. Meine „Wahrheit“ wurde nur von mir erschaffen und durch meine Biografie, meine Sozialisation, meine Erfahrungen und meine Sicht der Welt beeinflusst. Die „Wahrheit“ meines Gegenüber kann ganz anders konstruiert und beeinflusst worden sein: durch dessen Biografie, dessen Sozialisation, dessen Erfahrung und dessen Sicht der Welt. „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“ und was für mich eindeutig und klar ist, muss für meinen Gesprächspartner noch überhaupt nicht eindeutig sein und kann für ihn eine ganz andere Bedeutung haben.
Gelungene oder auch gewaltfreie Kommunikation soll es den Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zwischen ihnen verbessert wird. Dabei geht es nicht um eine Technik, die andere Menschen zu einem bestimmten Handeln bewegen soll, sondern um eine Grundhaltung, bei der eine wertschätzende Beziehung im Vordergrund steht.
Verantwortung übernehmen
In diesem Sinne wünsche ich mir, dass wir uns alle etwas mehr unserer Verantwortung in der Kommunikation bewusster werden. Ich weiß, dass das u.a. Reflexionsfähigkeit (Nachdenken über meine Kommunikation), Einsichtsfähigkeit (ich trage einen Anteil daran, wie mein Gegenüber reagiert), Empathie (sich in den anderen einfühlen und eine mögliche Reaktion auf meine Kommunikation wahrnehmen) und den Willen zur Veränderung (etwas an meiner Kommunikation zu ändern und Verantwortung zu übernehmen) voraussetzt. Ich bin davon überzeugt, dass wir über diese Fähigkeiten bereits verfügen und sie einzusetzen in der Lage sind. Denn wie formulierte es Bandler ebenso treffend:
„The resources an individual needs in order to effect a change are already within them.“
– Die Mittel, die ein Individuum benötigt, um angestrebte Veränderungen zu erreichen, sind bereits im Individuum vorhanden.



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